Dass ich ein Kaffeeliebhaber bin ist natürlich kein Geheimnis.
Bisher dachte ich auch, ich sei morgens ohne meinen Kaffee kein Mensch und übellaunig. Umso überraschter bin ich, dass ich tatsächlich morgens auch mit einem Tässchen heißen Wassers (ja, ganz ohne Bohne oder Teebeutel) ganz gut klarkomme. Und meine schlechte Laune morgens, nun ja, hängt scheinbar nicht unbedingt nur mit Kaffee zusammen.

Aber warum komme ich überhaupt drauf?
Seit einiger Zeit merke ich, dass ich meinen Kaffee morgens nicht gut vertrage. Ich bin kein großer Frühstücker, weil ich morgens einfach noch nicht gleich Appetit habe und so trinke ich meinen Kaffee normalerweise auf leeren Magen. Das mag mein Magen aber inzwischen gar nicht mehr.
Also bin ich dazu über gegangen morgens eben keinen Kaffee mehr zu trinken. So weit so gut so schade, wo ich Kaffee doch so gerne mag und das Gluckern und Zischen der kleinen Bialetti irgendwie zu Morgenritual dazu gehört.

Momentan trinke ich also nur noch Kaffee, wenn ich unterwegs bin. Also im Café. Dort wird es dann meistens ein Cappuccino oder -weil ich auch nicht mehr so viel Milch trinken möchte- ein Americano. Und auch da fängt mein Magen dann hin und wieder an ein bisschen Alarm zu schlagen. Übersäuerung.

Filterkaffee Elbgold, hamburgvoninnen.de

Dann habe ich festgestellt, dass ich handaufgebrühten Kaffee (a.k.a. good old Filterkaffe) deutlich besser vertrage und auch in schwarz ohne Zucker mag. Das hätte ich gar nicht für möglich gehalten, weil ich mit Filterkaffee nach wie vor eher die 5Liter Pumpkanne mit abgestandenem, braunen Wasser assoziiere.
Zeiten ändern sich ja aber und aktuell ist Filterkaffee ja in vielen Läden in feinster Qualität zu finden. Ich stehe ja eigentlich nicht auf dieses Nerd-tum um Kaffee, aber wenn es so guten Kaffee zaubert soll es mir recht sein.

Long story short: ich brauche Filterkaffee zuhause!

Der Liebste sagte „Haben wir nicht noch einen Porzellanfilter irgendwo?“
„Nein, leider nicht.“
An diesem Punkt hätte ich es mir einfach aufschreiben, Samstag zum Flohmarkt fahren und einen Porzellanfilter besorgen sollen.

 

Statt dessen habe ich die Kaffeebüchse der Pandora geöffnet.

Porzellanfilter… joa, aber im Café hatten sie  irgendwas anderes, so ein Metallding (ein Hario V60 Filter aus Edelstahl, wie ich herausgefunden habe).
Außerdem sehe ich immer mal wieder diese tollen Glaskaraffen mit der Holzmanschette. Das wäre natürlich auch fancy und irgendwie fotogener (eine Chemex also).

Gut, was die Optik angeht habe ich also einen Favoriten. Aber wie sieht es aus mit Geschmack, Handhabung, Kosten, Verfügbarkeit von Filterpapier, Aufwand?
So richtig schlau geworden bin ich bei meiner Googlerei danach nicht, zumindest nicht schlau genug, um zu einem abschließenden Ergebnis zu kommen.

Der gute alte Porzellanfilter

Der Porzellanfilter* ist am günstigsten in der Anschaffung, keine Frage. Ich denke, für 10€ kann man auf dem Flohmarkt ohne weiteres einen finden. Auch die Handhabung ist denkbar einfach: Filter auf Tasse, Filtertüte rein, gemahlene Kaffeebohnen rein, Wasser drauf, warten, fertig. Die Filtertüten bekommt man günstig in jedem Supermarkt.
Jedoch merken die Profis an, dass die Filtertüten zu dünn seien, also das Wasser zu schnell durchlaufe und der Kaffee zu wenig Brühzeit habe, um den perfekten Geschmack zu entwickeln. Okay.

Porzellan Kaffeefilter, Melitta, hamburgvoninnen.de

Der Hario V60 Metallfilter

Der Hario V60 Filter* ist aus Metall (es gibt sie auch aus Porzellan und Glas), dank spezieller Rillierung und Filtertüten haben Wasser und Kaffee länger geschmacksgebenden Kontakt. Vielleicht ist der Filter selbst auch anders gelocht, so dass das Wasser weniger schnell durchtropft, das weiß ich leider nicht.
Einträge zum V60 lesen sich auf jeden Fall schon deutlich wissenschaftlicher. Es wird die korrekte Grammzahl für die Bohnen pro Tasse angegeben, auch das Wasser wird abgewogen, eine erste Quellzeit angegeben (bevor man das restliche Wasser auf den Kaffee gießt) usw. Um das Wasser dafür besser dosieren zu können, gibt es spezielle Wasserkessel*, die ein bisschen aussehen wie die Gießkanne meiner Mutter.
Das klingt nach Zeremonie, das mag ich irgendwie. Aber ich denke, den zusätzlichen Zinnober könnte ich auch mit dem Porzellanfilter betreiben, wenn ich Lust habe.
Die Kosten für den Metall-Filter belaufen sich auf ca. 40€, der Wasserkessel auch nochmal ca. 40€.

Hario V60 Filter und Kessel, Foto: Yara Tucek, hamburgvoninnen.deWasserkessel Hario, Foto: Pål-Kristian Hamre, hamburgvoninnen.de

Die Chemex

Die Chemex* ist tatsächlich mein Favorit, einfach weil ich sie so hübsch finde. Glas mit Holz und Leder… das hat irgendwie was Sinnliches. Na ja. Auch für die sinnliche Chemex braucht es spezielle Filter, die speziell gefaltet werden müssen. Die Filter bekommt man natürlich nicht mal eben im Supermarkt und sie sind auch recht teuer, wie ich finde. Die Chemex kostet in der Größe für 6 Tassen ca. 47€.

Die Karaffe muss vorgewärmt werden, die richtige Grammzahl Bohnen frisch gemahlen werden und mit der richtigen Menge Wasser übergossen, auch hier gilt erstmal Quellen lassen. Auch hier bietet sich der spezielle Gießkannenkessel an.
Bei der Chemex wird noch die offene Form angepriesen, die ein Schwenken der Karaffe ermöglicht (dank des schönen Holzes verbrüht man sich auch nicht) und so den Kaffee atmen lässt und einen noch runderen Geschmack gewährleisten soll.

Chemex Filter Karaffe, Foto: Ty Nigh, hamburgvoninnen.de

Puh…

Relevant für das perfekte Geschmackserlebnis ist selbstverständlich auch die Qualität und Röstung der Bohnen, die Wasserqualität und die korrekte Temperatur. Klar.

Wie gesagt, ich mag es, wenn die Zubereitung ins zeremonielle geht. Schon alleine deshalb, weil ich dann weniger und dafür besseren Kaffee trinke (ich habe wochenlang fast ausschließlich Kaffee getrunken, als wir in der Studenten-WG damals unsere erste Pad-Maschine bekommen haben. Es ging einfach viel schneller, als Tee kochen).

Wie soll ich mich also entscheiden?
Habt Ihr Erfahrungen mit einem der Systeme oder sogar schon selbst verglichen?

Coffee Flowchart by thekitchn, hamburgvoninnen.de

Foto 1 & 6 : Ty Nigh ; Foto 4: Yara Tucek ; Foto 5: Pål-Kristian Hamre; Flowchart: the kitchn
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