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Das Ende eines Provisoriums

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Letzten November habe ich hier über Notlösungen geschrieben.
Dass diese immer am längsten halten, ist ein weit verbreitetes Phänomen. So haben wir zum Beispiel immer noch keine neue Leuchte für die Küchendecke…

Aber: ein kleines, sehr dauerhaftes und hässliches Provisorium konnte ich eliminieren:
unseren Küchenrollenhalter.
So unsäglich, dass es nicht einmal ein gutes Foto davon gibt. Vermutlich wäre es gar nicht möglich gewesen, ein gutes Foto von diesem Ding zu machen. Selbst auf den „Vorher“- Fotos der Küche habe ich es versteckt.
Gut, ganz so dramatisch war das Teil dann auch wieder nicht: einfach ein blaues Plastikding mit Basis und Schaft, um eine Küchenrolle darauf zu stecken.

Aber eben ein klassisches Provisorium: gekauft 2002 beim Möbelschweden für die erste Studenten-WG-Küche in der Annahme, dass man unbedingt auch noch einen Küchenrollenhalter brauche und, hey, 1,99€, nehmen wir mal mit. Gibt’s nur in hässlichen Farben? Nehmen wir das kleinste Übel, blau. Seitdem klebte das Ding irgendwie an mir. Es zog mit mir in die nächste WG, dann – 6 Jahre später – sogar mit nach Hamburg. Fristete dann geduldig zweieinhalb Jahre in einer unausgepackten Küchenutensilien-Umzugskiste, um dann in der jetzigen Wohnung wieder zum Vorschein zu kommen. Und hey, wir brauchen einen Küchenrollenhalter und der geht ja noch und einen hübscheren zu finden hat gerade nicht erste Priorität. Also rein in die Küche damit.
Zum Provisorien-Phänomen gehört auch die Tatsache, dass man es irgendwann einfach nicht mehr wahrnimmt. Klar, das Ding ist hässlich, aber man hat sich dran gewöhnt und hinterfragt nicht mehr.
Die Kombination aus „nicht erste Priorität“, „ist doch in Ordnung“ und der Gewöhnung macht wohl die Langlebigkeit aus…

Manchmal rückt das Provisorium dann aber doch wieder in den Fokus. Nämlich dann, wenn man zufällig eine wunderbare Alternative findet (und einen guten Grund sucht, für diese unvernünftig viel Geld auszugeben…räusper).

 

Liebe auf den ersten Blick

150324_von oben_rollenhalter ferm living

Im Falle meines Alptraumes in Blau geschah es, dass ich eines Samstags in Eimsbüttel unterwegs war auf der Suche nach einem Geburtstagsgeschenk. Frau Hansen ist hierfür immer eine gute Adresse. Und so stöberte ich dort ein bisschen, sah mir alles genau an, und mein Blick fiel auf einen – genau: Küchenrollenhalter.
Genau genommen einen Küchenrollenhalter von ferm living, mit sechseckigem Fuß aus weißem Granit und sechseckigem Schaft aus Messing. ***Jetzt hier Engelschöre singen hören***

Dann hab ich den Preis gesehen und den Traum aus Stein und Metall wieder zurück ins Regal gestellt. Zwei Shop-Runden später hatte ich es mir im Kopf zurecht argumentiert: Hey, das alte blaue Teil ist wirklich hässlich. Ich hab doch kürzlich erst über Provisorien geschimpft…jetzt kann ich Taten folgen lassen. Und das blaue Ding ist jetzt auch schon 12 Jahre alt und hat 2€ gekostet. Zur neuen Küche würde der hier viel besser passen. Und, mal ehrlich, wir geben so viel Geld für Mist aus, da kann ich mir doch mal einen Küchenrollenhalter für 48€ kaufen. Puh… schon echt teuer. Aber er ist soooo toll. Ach, was soll’s.
So kam es, dass ich den Laden mit einem brandneuen, wunderhübschen Küchenrollenhalter für 48€ verließ und immer noch kein Geburtstagsgeschenk hatte. So ist das manchmal.

150324_komplett von oben_rollenhalter ferm living

Zuhause angekommen fand der Neue gleich einen Ehrenplatz auf der Arbeitsfläche und das blaue Ungetüm wanderte völlig unnostalgisch im Müll. Ein Provisorium weniger.

Jetzt brauchen wir nur noch eine Deckenleuchte…

150324_komplett_rollenhalter ferm living

… Den wunderhübschen Küchenrollenhalter möchte ich gerne als Beitrag zu Ninotschkas Alltagsheldensammlung beisteuern.

 

Verena

Moin! Ich bin Verena und schreibe hier über Interior Styling und mein Leben in Hamburg.

9 Comments

  1. Richtig so, das Auge lebt schließlich mit! Ich freue mich auch über wirklich schöne Gegenstände, die meinen Haushalt bereichern, auch wenn sie ein Dasein in Schubladen und Schränken fristen. Aber selbst wenn der Flaschenöffner dann irgendwo herumliegt, gefällt es mir wenigstens! Dein Küchenrollenhalter ist super chic!
    Liebe Grüße
    Cora

  2. Ach, meine ganze WOhnung ist ja eher ein Provisorium. Immer wenn ich mir vornehme was zu ändern, kommt was dazwischen oder ich kann mich nicht entscheiden.

    Schreibtisch wäre ja mal gut! Meine Tischplatte habe ich letzte Woche verschenkt und dachte, dann arbeite ich eben am Esstisch. Nach 2 Tagen dieses Provisoriums weiss ich aber, dass das auf Dauer ganz bestimmt nicht geht!

  3. Der ist aber wirklich toll und ich liebe Gold! Wir haben mittlerweile überhaupt keinen Küchenrollenhalter mehr, weil die alle so unsagbar hässlich sind. Und das mit den Engelschören ist klasse! *gg* Liebe Grüße aus der ehemaligen Studentenbudenstadt, Kathrin*

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