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Online vs. Offline – ein kleiner Exkurs

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"Interieur", Osterstraße
„Interieur“, Osterstraße

Vor Kurzem war ich ein wenig Bummeln. Wenn ich dabei einen besonders hübschen Laden entdecke, frage ich für gewöhnlich, ob ich Fotos machen darf. Ohne bestimmten Grund habe ich dieses Mal nicht dazu gesagt, dass es für meinen Blog ist. Das führte dazu, dass die Ladeninhaberin etwas reserviert war und erst einmal ’nein‘ sagte, ‚weil es oft vorkommt, dass Leute Fotos machen und dann online nach den Produkten suchen und dort kaufen, wenn sie es irgendwo 2€ billiger finden“. Daraufhin erzählte ich ihr von meinem Blog und dass ich ihren Shop verlinken würde, sollte ich darüber schreiben. Wir unterhielten uns dann noch ein ganzes Weilchen und das Thema ‚offline vs. online‘ beschäftigt mich seitdem intensiver.

Ist es tatsächlich so, dass die Mehrheit der Leute in Läden schaut und sich beraten lässt, um dann online ein besseres Angebot zu finden und dort zu kaufen?
Ich weiß von mir, dass ich es bei manchen Produkten genau anders herum mache. Zum Beispiel bei unserem neuen Kühlschrank. Wir haben online recherchiert und Bewertungen gelesen, Pros und Contras abgewägt und sind zum tatsächlichen Kauf dann zum kleinen Elektroladen um die Ecke gegangen, um uns vom kundigen Fachhändler nochmal bestätigen zu lassen, dass unsere Recherche erfolgreich war. Lieferung bis zur Küchenecke war sogar auch mit drin (wenn man im 4.Stock ohne Aufzug wohnt, ist das ein nicht ganz unwichtiger Punkt).
Und auch bei anderen Dingen, Wohnaccessoires, Möbeln,… will ich das Produkt erst live sehen und anfassen, ein Gefühl für die Qualität bekommen. Klar, ich sehe Dinge bei Pinterest oder in den tollen Onlineshops, besonders, weil ich meistens abends (also nach Ladenschluss) online bummle, aber bei höherpreisigen Schätzen möchte ich vorher sehen, ob das Preis-Leistungs-Verhältnis für mich stimmt.
Zugegeben, gerade wenn ich im Laden etwas vergleichsweise Teures entdecke und ich die Marke kenne, schaue ich online doch nochmal nach, ob da noch was geht. Manchmal ja, meistens nein. In Anbetracht der Versandkosten und dem stetigen Ärger mit einem großen gelben Paketdienstleister lohnt es dann meist doch nicht.

Karlsons, Neustadt und Kunsthaltestelle, Marktstraße
Karlsons, Neustadt und Kunsthaltestelle, Marktstraße

Marketing-Experten kennen diese Phänomene zu Genüge und es gibt diverse Studien zum klangvollen „ROPO“-Effekt.
R-O-P-O steht für Research Online – Purchase Offline (online suchen, offline kaufen), ironischerweise funktioniert die Abkürzung auch umgekehrt: research offline – purchase online. Wie im wahren Leben also.

Und die Marketing Experten wären keine Marketing Experten, wenn sie aus den Erkenntnissen dieser Studien nicht neue Shopping-Modelle stricken würden.
Die Vorteile beider Shopping-Varianten, online und offline, werden verbunden.
Beispielsweise bieten immer mehr Shops an, Waren online zu bestellen und dann im Store abzuholen. So kann der Kunde einkaufen wannimmer er will (Ladenschluss? Ham wa nich) und hat bei der Abholung im Laden trotzdem das schöne Gefühl des Einkaufens, betüddelt-werdens, persönlichen Kontakt usw.
Wieder eine andere Variante bieten beispielsweise Produkt-Suchmaschinen wie Google Local Shopping (soweit ich weiß aber nur in den USA) oder locafox an: Wenn man schon genau weiß, was man sucht und möchte, beispielsweise, weil man schon online recherchiert hat, kann man dort das Produkt oder die Marke eingeben und das Tool spuckt einen eine Liste an Shops in der Nähe aus, die das entsprechende Produkt auf Lager haben. Superpraktisch, wenn man ohnehin gerade unterwegs ist und einem anhand der Umgebungssuche und entsprechenden Karten auf dem Smartphone der nächstgelegene Laden gezeigt wird.

Die Grenzen zwischen on- und offline verschwimmen also und irgendwann werden sie so fließend sein, dass „noline“ das Stichwort sein wird.

Wie macht ihr das? Kauft ihr eher online oder offline ein? Gibt es Produktgruppen die Ihr lieber auf die eine oder andere Weise shoppt? Nutzt Ihr vielleicht sogar schon Plattformen wie Locafox? Und kauft Ihr vor Weihnachten anders ein als sonst?
Ich freue mich auf Eure Meinung in den Kommentaren!

Verena
Moin! Ich bin Verena und schreibe hier über Interior Styling und mein Leben in Hamburg.

7 Comments

  1. Bei Elektroartikeln informiere ich mich erst im Internet. Gekauft wird aber in meinem Elektroladen. Dort habe ich einen direkten Ansprechpartner und wenn mal was mit den Geräten nicht in Ordnung ist, dann kommt meistens am selben Tag jemand vorbei. Dafür gebe ich dann gerne etwas mehr aus.
    Größere Möbel würde ich auch nicht online bestellen. Die muss man vorher gesehen haben.
    Ansonsten bestelle ich Klamotten, Bücher oder Getüddel gerne auch mal im Internet.
    Viele Grüße in den Norden
    Ilona

  2. Toller Artikel. Sehr oft lass ich mich online inspirieren, dazu noch Magazine mit Wunschartikeln und ich sehe mich durch die Straßen rennen. Kiel ist nunmal kein Mekka für Wohnläden etc., aber einiges haben auch wir zu bieten. ;) Oft habe ich nach der Suchtour nicht das gefunden, was ich nun unbedingt finden wollte und lande dann wieder online. Manchmal finde ich es ziemlich enttäuschend, zumal ich gern die Händler um die Ecke unterstützen mag. Bei Elektrogeräten habe ich fast immer schlechte Erfahrungen gemacht, wenn ich keine Onlinerecherche betrieben habe. Doch auch hier gehe ich mit meinem angelesenen Wissen ins Geschäft. Einzig Chucks und einige Kleidungsstücke wandern in den Onlinewarenkorb. Was ich mir allerdings gar nicht vorstellen kann, ist Lebensmittel online zu kaufen..das ist mir irgendwie suspekt ;)
    Liebe Grüße,
    Franse

  3. Ich brauche auch dieses Gefühl die Sache schon mal angefasst zu haben. Deshalb werden größere Investitionen immer vor Ort gekauft. Im Fall der Fälle hat man dann auch einen genauen Ansprechpartner und wird nicht über Hotlines etc. von Einem zum Anderen vertröstet. Geht es um Gedöns-Kram, dann bestell ich auch oft über den großen Online-Versandriesen, aber da braucht man dann vorher auch keine Beratung.

    Liebe Grüße,
    Moni

  4. Ich kaufe schon hauptsächlich online. Dies hängt vor allem damit zusammen, dass ich vieles hier in unserer Kleinstadt nicht finde und natürlich durch das Netz auch inspiriert werde und bestimmte Sachen dann haben möchte. Letztens war ich in der Stadt und wollte ein neu erschienenes Buch kaufen, dass es laut Netz sogar hier in der Buchhandlung geben sollte, aber ich konnte es nicht bekommen. Somit wurde es dann doch bei a….. bestellt. Oder ich wollte einen Ersatz für meine Wollwinterjacke (solange es noch nicht so richtig kalt ist), aber alles was es gab war s**teuer oder sah aus wir „für unser Omma“! Also habe ich auch hier wieder bestellt. Und so geht es mir eben ziemlich häufig. Daher kaufe ich viel online.
    LG Stephi

  5. Ach ja… ich würde ja schon gerne hier vor Ort kaufen – und bei allem, was mir möglich ist, mache ich das auch. Aber es gibt hier eben nicht alle Läden, die ich gerne hätte und auch nicht alle Dinge, die ich mir wünschen würde zu erwerben… da kaufe ich dann eben online. Außerdem ist das online-shopping bei langen Arbeitstagen durchaus sehr praktisch. … hm. da keimt wieder die Idee in mir auf, einfach meinen Traumladen selbst zu eröffnen – damit hätte ich alle Problemchen sozusagen mit einem Mal erledigt. ; )

  6. Bei größeren bzw. teureren technischen Geräten verfahren wir wie Du. Online schauen und mehr oder weniger objektiv vergleichen und abchecken, vor Ort kaufen. Allerdings kaufe ich fast die komplette Deko im Internet – das liegt aber nur daran, weil es nicht einen Laden in unserer Stadt gibt, der die von mir favorisierten Artikel führt. Einzige Ausnahme ein Laden, der ein wenig iittala und Stelton führt. Aber eben nur eine sehr kleine Auswahl.

    Ein interessanter Bericht von Dir!

    Herzlichst,
    Steph

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