INTERIOR MEGATRENDS – WARUM SAMT UND MARMOR DIE IMM BEHERRSCHEN UND WAS ES NEUES GIBT IN SACHEN EINRICHTUNG

Jedes Jahr im Januar ist die IMM Cologne mein erstes großes Inspirations-Highlight nach dem kleinen Winterschlaf über die Feiertage.
Auch diesmal bin ich voller Vorfreude nach Köln gereist und wurde nicht enttäuscht. Zwar blieben die ganz großen Überraschungen aus, aber an Oh!s und Wow!s mangelte es trotzdem nicht.

Die Möbelmesse ist immer eine gute Gelegenheit die Möbel und Produkte der bekannten Brands live zu sehen und zu erleben. Und natürlich sind die Stylings immer sehr inspirierend.
Vor allem finde ich es spannend, die „roten Fäden“ zu finden. Also Gemeinsamkeiten, Trends, Tendenzen in den Designs.

Insgesamt kann ich sagen, dass auch hier keine wahnsinnigen Wendungen zu erkennen sind, was auch nicht überraschend ist.

Die IMM hat gezeigt, dass einige Trends größer und langlebiger sind und quasi als Überschrift über den saisonalen Nuancen und Strömungen steht: sogenannte Megatrends.

Diese großen Trends sind:

Tactility

“Tactility” lässt sich am besten mit “Fühlbarkeit” übersetzen. In der Einrichtung bedeutet das den Einsatz von haptisch erfahrbaren Materialien.
Diese bilden den Kontrast zu den glatten und kalten Oberflächen, mit denen wir im (Arbeits-)Alltag hantieren: Smartphones und Tablets, Touchpads und Tastaturen.
So sehnen wir uns unterbewusst nach sensorischen Reizen. Kein Wunder also, dass beispielsweise Samt und Cord gerade so angesagt sind und auch auf der IMM überall auftauchten.
Auch andere natürliche Materialien wie Massivholz, Wolle und Wollfilz sowie Felle und Leder finden wir gerade in den verschiedensten Einrichtungsstilen.  Besonders auffällig auf der Möbelmesse fand ich die zunehmende Verwendung von Wiener Geflecht. Als Raumtrenner, bei Daybeds und natürlich Stühlen: Wiener Geflecht ist aktuell nicht wegzudenken und passt wunderbar zum Tactility Thema.

Less but better

Die Themen Umweltzerstörung und Klimawandel sind allgegenwärtig. Wir sehen Bilder von schwimmenden Plastikinseln in unseren Ozeanen, lesen Nachrichten von Abholzungen und Luftverschmutzung (das Thema Feinstaub ist allgegenwärtig im Newsfeed).
Wir hinterfragen unseren Lebensstil und schauen, welchen Beitrag wir leisten können.
Auch in Sachen Einrichtung achten wir auch Herkunft und Langlebigkeit von Möbeln.
„Less but better“ ist das Credo: wir konsumieren weniger, dafür hochwertigeres, das länger hält und – gerade bei Möbeln – zeitloser ist.
So spricht auch unter diesem Aspekt vieles für Massivholz, Naturstein und andere beständige Materialien und Möbel, die auch nach dem nächsten Umzug noch toll aussehen. Den Begriff „Enkeltauglichkeit“ finde ich hier etwas treffender und weniger abgegriffen als „Nachhaltigkeit“.

Der Gegenentwurf zum Fast Furniture Lifestyle jedenfalls.
Auf der IMM ist dieser Trend wie auch schon im letzten Jahr deutlich zu beobachten. (Vermutlich auch, weil es sich im Marketing positiv auswirkt, diesen „grünen“ Trend mitzumachen.)
Neben den natürlichen, strapazierfähigen und langlebigen Naturstoffen spielen auch Recycling und Nachhaltigkeit eine große Rolle bei der Materialwahl: recycelte (Baum-)Wolle und Viscose (eine natürliche Kunstfaser sozusagen), Bambus und Mangoholz, recyceltes Plastik usw. finden sich oft im Sortiment der Designbrands.

My Home is my castle

Unser Zuhause hat einen immer höheren Stellenwert für uns. Wir können es nach unseren persönlichen Ansprüchen und individuellen Bedürfnissen gestalten und damit unsere Persönlichkeit ausdrücken.
Und vor allem ist es unser Rückzugsort, an dem wir unsere Ruhe haben. Die Hektik des Alltags und das Chaos des Weltgeschehens bleiben erstmal draußen.
So legen wir zum einen Wert auf Gemütlichkeit und schöne Dinge mit denen wir uns umgeben können, um Kraft zu tanken. Zum anderen wollen wir eine individuelle Einrichtung, die unsere Persönlichkeit wiederspiegelt und gerne auch repräsentativ für Gäste ist.

Diese Aspekte fließen alle in die aktuellen Einrichtungstrends hinein und erklären, warum gerade hochwertige, langlebige Materialien wie Marmor, Samt, Leder, Seide usw. so stark vertreten sind.
Außerdem lassen sie sich in unterschiedlichsten Stilen und Farbwelten ausleben, was sie ebenfalls zum Megatrend qualifiziert.

Die aktuellen Trends ins Sachen Formen und Farben waren auf der IMM auch gut zu beobachten.

Die Farbtrends in diesem Jahr

Farbtrends sind etwas kurzlebiger und in diesem Jahr waren auf der IMM folgende Tendenzen zu erkennen:
Living Coral, abgetönte Farben und ganz viel Sand

Rot und Orange-Töne in verschiedenen, abgetönten Nuancen sind tatsächlich omnipräsent. Nicht umsonst ist „Living Coral“ die Pantone Farbe des Jahres 2019. Diese Töne lassen sich wunderbar mit weiteren Erd- und Naturtönen kombinieren und passen super zu den angesagten natürlichen Materialien
Insgesamt sind bei den meisten Brands starke Farben vertreten, wenn auch in abgetönter Form. Senfgelb, Dunkles Blau, Flaschengrün und eben Korall-, Bordeaux- oder Terrakotta-Rot.
Als Gegenentwurf oder auch stimmige Ergänzung haben auch Sand- und Beigetöne ihren großen Auftritt. Brands wie String setzen auf einen fast durchgängig Ton-in-Ton gestalteten Stand in warmen Neutraltönen und treffen damit sehr gut die aktuellen Trends.

Außerdem sind diese Farbtöne durch ihre Neutralität und gute Kombinierbarkeit natürlich besonders zeitlos und damit langlebig.

Formtrends

Passend zum Trend zum eleganten, hochwertig eingerichteten Zuhause haben ans Art Déco erinnernde Formen aktuell ihren großen Auftritt: Plissés, Riffel und abgerundete und organische Formen.

Ganz passend zu den eleganten und glamourösen Farben und Materialien finden sich auch elegant geschwungene Formen in Sofas, Sesseln und Tischen wieder. Diesen Trend konnte ich schon im letzten Jahr beobachten. Und auch die Verwendung von geriffelten Strukturen und Plissés ist immer noch angesagt (Stichwort Tactility!).

Bei vielen Brands kommt die Anmutung von Art Déco oder die 1920er Jahre auf, die ich persönlich sehr schön finde. In Kombination mit hochwertigen Materialien ergeben sich hier sehr schöne, stimmungsvolle Interieurs.

 

Fazit zur IMM 2019

Auch wenn die groooßen Überraschungen weitgehend ausblieben auf der IMM, wurden die aktuellen Megatrends vollends bestätigt. Und ich finde es großartig, dass die Themen Beständigkeit (a.k.a. Enkeltauglichkeit) und Hochwertigkeit eine so große Rolle spielen. Insbesondere, weil diese Tendenzen auch aktuelle Farbtrends überdauern und einfach an diese kürzer getakteten Moden angepasst werden können.

P.S.: meine Lieblingsstände dieses Jahr!

Ein extra „Chapeau“ geht an dieser Stelle raus an die reizenden Jungs von Objekte unserer Tage, die mir ihrem Stand aus der Masse wirklich deutlich herausstachen: leuchtende Farben, viel weiß, Ecken und Kanten! Ich hab sie in Halle 2.2 sofort (!) gefunden! Neue Farben im Sortiment sind hier nicht abgetöntes Korall, sondern PINK!
Trotzdem gibt es die Möbel auch in schwarz, weiß, grau oder im natürlichen Holzton, so dass sie für jeden Geschmack und Stil etwas zu bieten haben und super kombinierbar sind.
Lieblingsstand #1

Ein weiteres „Chapeau“ geht an Pulpo. Samt, runde Formen in Samt, Bronze Statuetten, wunderschöne Leuchten, starke Farben… der Stand von Pulpo vereint alle Trends ganz hervorragend, ohne langweilig zu sein.
Lieblingsstand #2

Meine Highlights der IMM 2018 gibt’s übrigens hier zu sehen… auch die oben genannten Megatrends sind in den Fotos schon gut zu erkennen!

Dieser Beitrag entstand NICHT im Auftrag oder unter Einfluss einer oder mehrerer der genannten oder verlinkten Brands.